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Leistungen Stadtführungen in Rom Martin Luther in Rom
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| Martin Luther (1483 - 1546) in Rom ( Quellen ) |
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Martin Luther als Stadtführer in Rom! Welche Kirchen besuchte er? Wie sah das Stadtbild zur seiner Zeit aus? Was beeindruckte den jungen deutschen Augustinermönch? Rom als verstaubter Steinbruch oder der Prunk der Kardinalskirchen? Eine kulturhistorische Stadtführung durch die Renaissancestadt zu Luther Zeiten. |
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Luther traf im November (oder im Dezember) 1510 in Rom ein, wo er vier Wochen verweilte. Er hatte als junger Mönch des Erfurter Klosters eine juristische Ausbildung genossen und begleitete einen Ordensbruder über die Alpen. Anlass zur Romreise war der Streit unter den Augustinern über die Zukunft der strengen Observanz, die dem päpstlichen Hof unter Julius II. nähergebracht werden sollte. Luther kam über dem unbehaglichen Pilgerweg, über die Schweiz, Mailand und Florenz. |
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Neben allerlei Sitten und Unsitten bemerkte er auch, daß die italienischen Schneider viel elegantere Hosen als die deutschen anzufertigen wußten. In Mailand durfte er wegen des dort gebrauchten besonderem ambrosianischen Ritus keine Messe lesen. In Florenz rühmt er nichts als die vorzüglichen Spitäler und Findelhäuser. Die römische Herrenmode zu Luthers Zeiten. (Bild mit Klick vergrößern) |
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| Welche Vorstellungen der Stadt Rom hatte Luther vor der Romreise? Die Erzählungen der mittelalterlichen Pilger ergaben in den Quellen eine gewisse Verzerrung der Ewigen Stadt. Sie wurde mythisiert und verklärt, die topographische Wiedergabe entsprach oft dem subjektiven Erlebnis der frommen Rompilger. |
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Rom war zu Luthers Zeiten noch eine mittelalterliche Stadt, die sich vorwiegend auf die Tiberniederung konzentrierte. Der antike aurelianische Mauerring war für die geschrumpfene Stadt viel zu groß. Weite Flächen bestanden aus Ruinenfeldern, in denen das Vieh weidete oder Gärten und Weinberge angelegt waren. |
| Martin V. schrieb im 15.Jahrhundet, daß in der Tiberniederung |
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"viele Einwohner Roms ... Eingeweide, Köpfe, Füße, Knochen, Blut und Haut sowie verdorbenes Fleisch und Fisch, Abfälle, Exkremente und sonstige stinkende und verwesene Kadaver auf die Straße geworfen haben.... und dreist und frevelhaft, sowohl in kirchlicher als auch in weltlicher Hinsicht, Straßen, Gassen, Plätze, öffentliche und private Gebäude an sich gerissen, verwüstet und ihrem eigenen Nutzen unterworfen haben." |
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Zu Luthers Romzeit regierte Papst Julius II. Unter seinem Pontifikat (1503-13) erlebte die Stadt großangelegte urbanistische Umwälzungen. 1510-11, als Luther in Rom verweilte, wurde der Vatikanhügel einer radikalen Baukur unterzogen. Julius II. ließ die alte Peterskirche vollkommen abreißen und beauftragte Bramante zu deren Neubau. Michelangelo arbeitete gerade in der Sixtinischen Kapelle und Raffael freskierte die Privatzimmer des Papstes. |
| Norbert Greinacher (Professor in Thübingen) faßt diese Zeit folgendermaßen zusammen: |
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"Die Kirche des 15. Jhrts. war eine Institution, die sich von ihren theologischen Wurzeln (...) um die Menschen so weit entfernt hatte, dass von der ,,Sache Jesu" (...) nur noch sehr wenig zu erkennen war. Es handelte sich vielmehr um eine Institution, die hauptsächlich von Intrigen und Macht geprägt war. Die erschreckenden Schilderungen über die Ära des Renaissance-Papsttums sind bekannt, und an fürstbischöflichen Höfen und in grossen Abteien (...) sah es nicht viel anders aus." ( Quellen ) |
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1. Etappen aus Luthers Romaufenthalt
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Beim ersten Anblick Roms warf sich Luther mit folgenden Worten zu Boden: "Sei gegrüßt du heiliges Rom, wahrhaft heilig von den heiligen Märtyrern, von deren Blut es trieft" Die Kulturführung bringt den Besucher zu einigen Stationen, die Luther während seines Romaufenthaltes wiederholt besuchte und beschrieb. Luthers Interesse galt freilich nicht der genauen Berichterstattung seiner Romreise - einige Gebäude und Plätze werden aber genannt. Die Barockzeit hat viel verunklärt, aber einige Stationen sind wie zu Luthers Zeiten erhalten geblieben. |
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¬ Piazza del Popolo ¬ Santa Maria del Popolo |
¬ Sant'Agostino ¬ Pantheon |
¬ Santa Maria dell'Anima ¬ Tempietto (am Janiculum) |
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Piazza del Popolo und Santa Maria del Popolo Luther reiste über die Piazza del Popolo nach Rom ein. Jeder Rombesucher, der vom Norden her kam, gelangte über die Via Flaminia in die Stadt, so z.B. auch Goethe, im Jahre 1786. Luther wohnte vier Wochen lang im naheliegenden Augustinerkloster. |
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Das Pantheon beeindruckte ihn vor allem als fensterloser Bau, der seit dem 6.Jhdt. eine Marienkirche war, mit dem Loch in der Decke, den dicken Säulen und den Bildern der antiken Götter. |
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Sant'Agostino war der Sitz des Generals der reformierten Augustiner. 1511-12, also genau während Luthers Aufenthalt, freskierte Raffael den Propheten Jesaias mit nackten Putten an das Langhaus der Ordenskriche. Ob Luther Raffael beim Werk wohl gesehen hat? |
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Tempietto, San Pietro in Montorio (Janiculum-Hügel) Er wurde von Donato Bramante zw. 1502 und 1510 erbaut. Luther kam mit Sicherheit zu dieser entlegenen Kirche, da frühen Chroniken zufolge hier der hl.Petrus mit dem Kopf nach unten gekreuzigt wurde. |
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Santa Maria dell'Anima an der Piazza Navona war schon vor Luther die Kirche der deutsch-römischen Katholiken untergebracht. Luther meint, nur hier würde man die Liturgien feierlich zelebrieren, im Gegensatz zu den römischen Priester, die seines Erachtens liturgisch wenig gebildet waren. |
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2. "Rom als Pilgerziel zu Luthers Zeiten"
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"So wir Diebe mit Strang, Mörder mit Schwert, Ketzer mit Feuer strafen, warum greifen wir nicht viel mehr an diese schädlichen Lehrer des Verderbens als Päpste, Kardinäle, Bischöfe und das ganze Geschwür der Römischen Sodoma mit allerlei Waffen und waschen unsere Hände in ihrem Blut ..." |
| So leutet eine der am meisten verklärten Aussagen Luthers über den römischen Klerus (1518, Tomos 1, Punkt II, S. 24 und 24b). In Wahrheit gestand er 1519 Rom einen besonderen Ehrenvorrang zu, weil dort die Aposteln Petrus und Paulus, 46 Päpste und hunderttausende von Märtyrer ihr Blut vergossen und Hölle und Welt überwunden hatten. | |
| Denn Luther kam auch als Pilger nach Rom. Hier wollte er eine Generalbeichte ablegen. Aber er geriet an ganz ungelehrte Leute, die dieser Aufgabe keineswegs gewachsen waren. Die Messen wurden üblicherweise so schnell wie möglich absolviert, daß Luther nicht mithalten konnte. | |
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¬ San Pietro in Vaticano ¬ San Sebastiano fuori le mura ¬ Santa Maria Maggiore ¬ San Giovanni in Laterano |
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| Sankt Peter (Vatikan) | ||
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| Luther sah weder die sog. konstantinische (mittelalterliche) Basilika, noch den Neubau von Sankt Peter. Julius II. hatte den kompletten Abbruch verordnet, durch seinen Architekten Donato Bramante. Zur Finanzierung des Renaissancebaues wurde in Roms Kirchen ordentlich für den Ablaß geworben. Der Grundstein für die neue Peterskirche legte der Papst am 18.April 1506, die Baustelle sollte 150 Jahre andauern. | ||
| Nach dem Tod Julius' II. 1513 und Bramantes 1514 wurden die Arbeiten mit Unterbrechungen von Raffael, Baldassare Peruzzi, Antonio da Sangallo d.J., Michelangelo, Giacomo della Porta weitergeführt. Jeder Bauleiter änderte das Vorgefundene nach seinen Plänen. Sankt Peter hat eine der komplexesten Baugeschichten der christlichen Architektur. |
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| San Sebastiano (vor den Mauern) |
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Die frührchristliche Kirche an der Via Appia Antica gehörte zu jedem Rombesuch der Wallfahrer. Martin Luther notiert die hastigen Messen, die man gegen Bezahlung abhalten konnte. Er berichtet, hier zelebrierten, nur durch ein Gemälde getrennt, gleichzeitig zwei Priester an einem Altar. Binnen einer Stunde würden hier sieben Messen gefeiert. |
| Luther besuchte auch die Katakomben des Hl.Kalixtus, an der antiken Konsularstraße Appia gelegen. Hier würden die Toten "schränkigt" liegen, insgesamt 40 Päpste und 76.000 Märtyrer (in Wahrheit sind es eine halbe Milion). Wer während einer Messe fünfmal andachtsvoll durch die Katakombe ging, konnte eine Seele erlösen. |
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| Santa Maria Maggiore (auch Santa Madre d'Iddio) |
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Die wichtigste Marienkriche der Christenheit wurde im 5.Jhd. von Papst Liberius auf einem heidnischen Vorgängerbau errichtet, der der Geburtshelferin Juno Lucina geweiht war. |
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Luther sah die Kirche vor den Umbauten der Spätrenaissance (ab ca. 1560). Zu seiner Zeit war die Kassettendecke soeben von Papst Alexander VI. Borgia mit dem ersten Gold aus Amerka vergoldet worden. Luther sah die frühchristlichen Mosaiken an den Langhauswänden (5.Jhdt.), den Marmorfußboden (12.Jhdt.), die Apsismosaiken von Torriti (E.13.Jhdt.), das Fassadenmosaik von Rosuti (E.14.Jhdt.). Im Laufe der Gegenreformation förderte die Kirche als Gegengewicht zur rationellen protestantischen Lehre die der Volksfrömmigkeit entgegenkommenden Marienverehrung, die zu einer gottgleichen Stellung Mariens anschwoll. |
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| Laternasbasilika (San Giovanni in Laterano) |
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Die älteste Kirche der Christenheit ist die Papstkirche schlechthin, deshalb rein formell Domkirche Roms, die Kathedrale des Papstes in seiner Eigenschaft als Bischof von Rom. An der Fassade der Kriche steht der kirchenrechtlich immer noch gültige Spruch: "Der ganzen Stadt und des ganzen Erdkreises Kirchen Mutter und Haupt". |
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Am Lateran besuchte Luther die Scala Sancta. Hier sind heute noch 28 holzverkleidete Marmorstufen, angeblich die Stiege des Hauses von Pilatus, die Jesus hinaufgestiegen ist. Hier rutsche auch Luther auf den Knien hinauf, wobei auf jeder Stufe ein Vaterunser gesprochen wurde. Er wollte den Büßgang seinem Großvater Heine zukommen lassen. Freilich konnte er den Zweifel nicht unterdrücken: "Wer weiß, ob das war ist?" |
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