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Leistungen  Kulturausflüge   Gregorovius Campagna (Südlatium)
Panorama am Albano-See (M.A.Pacetti, 1834)

Die Campagna Romana Gregorovius'

- Ein literarischer Tagesausflug ins Südlatium -

click  click   1. Aus den Bergen der Herniker
click  click   2. Aus der römischen Campagna
click  click   3. I
dyllen vom lateinischen Ufer

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Ferdinand Adolf Gregorovius (1821 - 1891)
Ferdinand Gregorovius (1821 - 1891)

Gregorovius entstammte einer masurischen Pfarrers- und Juristenfamilie aus dem ostpreußischen Neidenburg bei Allenstein nahe der polnischen Grenze. Er wuchs in einem Schloss des Deutschen Ritterordens auf, das auf Veranlassung seines Vaters für die preußische Justizverwaltung restauriert worden war.

Nach Rom verschlug es ihn 1853 nach ausgedehnten Reisen im Mittelmeerraum.
1856 bis 1857 schrieb er seine fünfbändigen "Wanderjahre in Italien". Es ist das Werk eines Spätromantikers, dem allein die Begeisterung den Reichtum der Eindrücke und Erlebnisse garantiert.

Rom lehrte Gregorovius Geschichte und erzog ihn zum Historiker. Hier schrieb er die gewaltige Schrift “Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter”, die heute noch als Quelle herangezogen wird. Die letzten Seiten seiner Geschichte Roms schrieb an seinem 50. Geburtstag, am 19. Januar 1871, nachdem er mit Unterbrechungen fast zwanzig Jahre in Rom verlebt hatte.
1876 erhielt er daraufhin als erster Protestant, trotz des Widerspruchs chauvinistischer Italiener und klerikaler Machthaber, die römische Ehrenbürgerwürde.

Rom im Mittelalter
Streitsüchtige Karrer im Weinkeller (Zg. A.Pinelli, 1831)

Berühmt sind Gregorovius' Beschreibungen der Landschaften und Bewohner des Süd-Latiums, welche er in seinen "Wanderjahren in Italien" angeht.

"Die Bewohner von Latium, ein starkes, gutherziges und schönes Menschengeschlecht, sind ganz primitiv geblieben; ihre Lebensweise, ihr Kultus, ihre Bedürfnisse sind unverändert, und käme einer ihrer Vorfahren wieder in seinen Ort zurück, so würde er darin wenig mehr Neues entdecken. Fast alle jene Kastelle, welche Namen sie immer haben, dauern seit Urzeiten. Man findet sie in Diplomen des neunten und zehnten Jahrhunderts mit ihren heutigen Namen, mit ihren selben Kirchen, mit ihren ehemaligen Grafen und Judices meist langobardischen Stammes erwähnt; aber ich weiß hier keinen Ort zu nennen, der in späterer Zeit neu entstanden wäre".


 1. Aus den Berger der Herniker und Volsker   zum Seitenanfang
Latium-Karte (1863)

"Wie zu den Zeiten der Kaiser sind noch heute jene Ufer Vergnügungsorte der Römer, und es gehört zum römischen Leben, einmal nach Antium zu fahren, wie nach Frascati, Tivoli und Albano, um für eine Zeit Rom zu vergessen. Denn selbst die herrlichste Stadt der Erde kann ermüden."

Die Kulturführung "Aus den Berger der Herniker und Volsker" führt den Reisenden zu einigen ausgewählten Ortschaften, die Gregorovius während seiner wiederholten Latium-Ausflüge sah und beschrieb.

¬ Alatri
¬ Ferentino
¬ Valmontone
¬ Segni
¬ Cori
¬ Ninfa

Alatri   (Valle Carcano)
Alatris Ursprünge liegen im Dunkel. Die Stadt der Herniker zeichnete sich immer durch den starken Widerstand gegen Eroberern aus: sie sträubte sich gegen Römern (4.Jhdt.v.Chr.) und Friedrich II (1243), bevor 1389 die Kirche das Tal einverlaibte. Berühmt ist die Ortschaft für die Akropolis aus vorrömischer Zeit, eine der wichtigsten in Italien.
Die Akropolis von Alatri

Via del Corso (Piranesi)

Ferentino

"Es ist ein Land schöner Bergwildnisse, welches von Ferentino aufwärts sich weit ins Neapolitanische erstreckt. Dort trägt das Volk die Ciocie, eine sehr einfache Fußbekleidung, wovon auch das Land la Ciociaria genannt wird. (...) Ein primitiveres (Schuhwerk) läßt sich nicht erfinden, und vielleicht darf man sagen auch kein bequemeres."

Valmontone

Gregorovius besucht Valmontone und Colonna im Jahre 1860, in Begleitung seines deutschen Freundes und Aquarellmaler G.Muller. Mit ihm beritt er die waldreiche Region der Monti Volsci (heute Lepini genannt).

"Froh ritten wir da hinein, denn ein Wald im italienischen Lande ist etwas so Seltenes und darum das Heimatlichste, was dem deutschen Wanderer begegnen kann. Doch hier sind keine schwarzen, weihnachtlichen Tannen und keine sausenden Fichten, sondern herrliche Buchen, Ulmen, Eichen und Pinien. Die Pinie klingt wie eine Harfe, wenn der Wind in ihrer Krone spielt; sie saust nicht wie die schwermütige Fichte, ihr Ton hat etwas ganz Wonnesames von geisterhaftem Gesang."

Vulci statt Valmontone

Die Zisterne in Segni (Zg., 19.Jhd.) In Segni besucht Gregorovius die römische Zisterne, die zu seiner Zeit noch als Wasserreservoir verwendet wurde. Wie er staunten (und beschrieben) viele Reisende über ihre fortwährende Verwendung.

Cori

Das Städtchen hängt an einer steilen Felswand aus Tuffgestein. Es soll vom Troianer Dardanus in archaischer Zeit gegründet worden sein, jedenfalls ist eine uralte Befestigungsmauer im mittelalterlichen Stadtkern erhalten. Die Zeit scheint Letzterem nichts angetan zu haben, man betritt ein Dorf des 15.Jhdt.

Cori

Ninfa - das "Pompeij des Mittelalters"

Ninfa (von Norma aus gesehen) Ninfa (Gemälde von E.R.Franz)
"Es macht einen unbeschreiblichen Eindruck, in diese Efeustadt einzuziehen, in den begrasten, blumenbedeckten (...) Mauern umherzuwandeln, wo der Wind in den Blättern spielt, keine Stimme schallt als der Schrei des Raben im Turm, als das Rauschen des schäumenden Bachs Nymphäus, das Lispeln des hohen Schilfs am Weiher, und das melodische Singen und Säuseln der Halme ringsumher."


 2. "Aus der römischen Campagna"   zum Seitenanfang

Ballonflug über die Campagna romana (I.Caffi, 1847)

"Der Eindruck eines großen Landschaftsgemäldes erhöht sich für den Denkenden, wenn er es mit der Geschichte zu verbinden weiß, oder wenn es überhaupt von dieser belebt wird."

"Ich habe die meisten Gefilde Italiens durchzogen, ich habe die berühmten Fluren von Agrigent und Syrakus durchwandert, aber trotz aller Farbenpracht jener südlichen Zone muß ich doch bekennen, daß mir die Campagna von Rom und Latium den mächtigsten Eindruck macht. (...) Sie liegt da wie ein erhabenes Theater der Geschichte, eine große Bühne der Welt. Kein Wort des Poeten, kein Pinselstrich des Malers, so viele Bilder davon gemalt sind, kann die verklärte Heldenschönheit Latiums auch nur andeutend denjenigen ahnen lassen, der sie nicht selber sah und empfand."

In seinen Aufzeichnungen aus der Campagna romana beschreibt er stimmungsvolle Ortschaften, die heute dem Durchschnittsbesucher vollkommen verwehrt bleiben. Sie liegen außerhalb der touristischen Pfade, Fremde werden (noch) mit Verwunderung betrachtet, wie einst Thomas und Heinrich Mann.

¬ Genazzano
¬ Palestrina
¬ Paliano
¬ Colonna
¬ Anagni
Das Nymphäum der Colonna in Genazzano Die Gassen von Palestrina Tanzende Bauer (W.Marstrand, 1869) Anagni (mittelalterl. Tor)

 3. "Idyllen aus dem lateinischen Ufer"   zum Seitenanfang
"Jene feinen, sanften Uferlinien, welche in Meilenweite sich im Duft verlieren, jener weiche und schimmernde Sand, dieses wohlig rauschende Meer in seinem Farbenspiel, das märchenhafte Kap der Circe drüben, welches als Insel wie ein großer Saphir herüberfunkelt, die fernen kleinen Ponza-Eilande, die ihre blauen Gipfel wie Blumenglocken kaum aus den Wellen erheben, hundert weiße Segel, welche kommen, gehen und dahinschwinden, der melancholische Gesang der Fischer, Flöten- und Harfenklänge - wahrlich! die ganze Welt draußen dürfte mit glühenden Bomben und Raketen beschossen werden, hier spürte man es nimmer." Anzio (Gemälde von H.Corrodi)
Der Leuchtturm vom Cap Circeo

Gregorovius bezeichnete die Küstenlandschaft des Tyrrhenischen Meeres als "lateinisches Ufer", dank ihrer literarischen Inhalte. Die Natur beschreibt er -als Romantiker- als lyrisch und episch-homerisch. Am Kap der Circe soll die Magierin Odysseus' Matrosen in Schweine verwandelt haben, hier lagen einst die griechischen Kolonien und die Villen der reichen Römer (so u.a. Cicero).


Terracina
Terracina Terracinas Jupiter-Tempel
Terracina's wichtige Lage war schon in vorrömischer Zeit von großer Bedeutung. Die Römer liessen hier die Via Appia vorbeilaufen. Im Mittelalter errichtete man die Wehrtürme gegen die Sarazenen.

Die pintinischen Sümpfe (Gemälde von O.Carlandi)

Die (ehem.) pontinische Sumpflandschaft

"Vor mir lag das strahlende Schauspiel der Maritima, das weite pontinische Sumpfland, ein in sanftesten Farben glühender Teppich, das von der Sonne vergoldete Meer, die fernen Ponza-Inseln in seiner strahlenden Flut, das Kap der Circe, der Turm Astura, die Linea Pia, das Kastell Sermoneta zu unsern Füßen. Der Anblick dieses Gemäldes, eines der schönsten, welches Italien überhaupt besitzt, war, da wir eben aus dem Walddunkel hervorgekommen waren, so überwältigend, daß ich dafür weder damals ein Wort fand, noch heute eines habe."


Torre Astura

Gregorovius bringt die Torre Astura im Zusammengang mit Konradin von Schwaben, der letzte Hohenstaufen. Dieser versuchte 1267 die Kontrolle über Süditalien wieder herzustellen, nachdem sein Onkel Manfred diese 1266 verlor. Konradin flüchtete in der Torre Astura, damals ein Wehrturm der Familie Frangipane. 1268 wurde er dem Feind, Karl Anjou, geliefert und in Neapel geköpft.

Torre Astura
"Ich wünschte ihn so ganz ausdrücken zu können, wie es mein Gefährte in seiner Zeichnung vermochte, auch will ich hoffen, daß er die Blätter, die er hier entworfen hat, bald veröffentlichen wird. Überhaupt sollte irgendein artistisches Institut Deutschlands ein Hohenstaufenalbum herausgeben."


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