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Kultur römische Impressionen Berninis Verzückung der Hl.Theresa von Avila
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Gian Lorenzo Bernini (1598-1680) war einer der bedeutendsten italienischen Künstler des Barock. Er war in einer Zeitspanne von 50 Schaffensjahren für fünf Päpste tätig und prägte mit seinem Kunstwollen nicht nur die Hauptstadt des Kirchenstaates sondern das gesamteuropäische Barockzeitalter. Er schuf eine Vielzahl an grandiosen Werken, er galt schon unter den Zeitgenossen als "All-round-Genie": Bühnenbildentwerfer, Bildhauer, Architekt, Szenerien-Erfinder... . |
| Die Ekstase der Hl.Theresa von Avila (G.L.Bernini, um 1650) |
| Die überlebensgroße Marmorkomposition der heiligen Theresa von Avila hat Bernini zw. 1647 und 1652 im Auftrag des venezianischen Kardinals Federico Cornaro erschaffen, gedacht als Familienkapelle in der Kirche Santa Maria della Vittoria in Rom. |
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Bild in Hochauflösung (ca. 1 MB)
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| In einem Tabernakel über dem Kapellenaltar ist das Geschehen der 'Unio mystica' der Hl.Theresa von Avila mit Gott gezeigt. Einem transzendetalen, methaphysischen Ereignis, welches jenseits der erfahrbaren Wahrnehmung stattfindet, assistieren von den Seitennischen der Kapelle die Familie Cornaro selbst. Zu erkennen ist deutlich der Bauherr, Kardinal Federico, der 1644 Bernini mit der Ausschmückung der Familienkapelle beauftragte. |
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Bernini inspirierte sich an einer autobiographischen Erzählung der spanischen Mystikerin Theresa, Ende des 16.Jhdts. gerstorben, wo sie, in einer explodierenden Verzückung auf Wolken schwebend und der Erde entrückt, sich einem als Jüngling dargestellten Engel hingibt, der einen goldenen Pfeil von oben ihr entgegen schleudert. Das Erleben Gottes, wie es Bernini aus dem Carrara-Marmor herausgewonnen hat, gleicht verblüffend der Darstellung erotischen Erlebens und körperlicher Liebe. Bei der Enthüllung des Werkes soll es damals zu Aufsehen gekommen sein. Die erotischen Ausdrucksformen schienen den mystischen Gehalt zu überdecken. Unverhüllt wird hier gezeigt, wie eine Frau der Erotik Gottes erliegt. |
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Dabei ist die Darstellung keineswegs der Phantasie eines barocken Bildhauers entsprungen; Theresa selbst schildert ihre mystischen Erfahrungen so körperlich, dass man es gar nicht besser künstlerisch wiedergeben kann, als Bernini es getan hat:
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Giorgio Manganelli (1921-1990), mailänder Poet und Autor, hat im Jahre 1985 ein schönes Essay über seine Erfahrung mit der Begegnung dieser Skulpturengruppe verfasst, welches wir hier weidergeben möchten. "<Die Ekstase der Heiligen Theresa> von Gian Lorenzo Bernini", aus «Manganelli furioso. Handbuch für unnütze Leidenschaften» Berlin 1985 (Klaus Wagenbach-Verlag), übersetzt v. Marianne Schneider. |
| Das Essay können Sie hier downloaden (ca. 1,4 MB) |
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| (...) Ich versuche, sie anzuschauen, meinen Blick zu schärfen, denn ihm übertrage ich die Aufgabe, in diesem Weiß das Dunkel ausfindig zu machen. Und da verschwindet die Statue. Jetzt habe ich etwas vor mir, das ich eine "Figur" nennen möchte: Damit meine ich ein in den Raum gestelltes Zeichen, etwas, das Menschliches vortäuscht, aber zur Welt der unmenschlichen Bilder gehört, eine gleichgültige und notwendige Form, die von der Luft nichts weiß und ihrer nicht bedarf. |
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(...) Ich betrachte den absolut anstrahlen Leib der heiligen Theresia; erblicke einen Fuß, der ins Bodenlose ragt. Er tritt auf nichts, die Anwesenheit des Fußes hat allein den Sinn, zu nicht nütze zu sein; an diesem geistigen Ort ist und war nie ein Boden. Der Raum unter diesem Fuß ist unendlich, aber wir können das nur schließen, denn er reicht nicht bis zu uns. Ich betrachte die Hand: sie kann nichts fassen, obschon sie eine menschliche Form hat; sie hat darauf verzichtet, etwas anzufassen, zu drücken, zu besitzen: der anmutige Tribut für ihre Verwandlung in Marmor liegt darin. Der Blick gleitet über diese schwerelosen, nur zum Schein körperlichen Formen und tastet sich durch das komplizierte Labyrinth des harten Marmors; kaum vermag er sich loszulösen von diesem Gewand: denn es ist Zeremonie, Flug, Undurchdringlichkeit, Licht, alles zugleich. Und schließlich entdecken die Augen das Antlitz und bemerken gleichzeitig, die hl. Theresia ist nicht allein. |
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