Reisebericht - "Rom, die Stadt in Marmor"
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Zweiter Tag (Sonntag, 12.Okt. 2003)

Mit dem Fahrrad im Borghese-Park

Besonders gut geschlafen haben wir nicht, denn der nächtliche Lärm ist ungewohnt und die Beine schmerzten vom kilometerlangen Laufen auf alten Pflastersteinen und dem Gehetze durch Metroschächte.

Trotzdem sind wir glücklich, denn die Sonne scheint und verspricht wieder einen aufregenden Tag.

Wir beginnen ihn im Parco Villa Borghese. Wir leihen uns vier Fahrräder aus. Welch ein Abenteuer! Sie klappern und scheppern, aber schlecht gefahren ist besser als gelaufen! Im Park ist eine Menge los. Viele Familien flanieren dort und es finden verschiedene Sportveranstaltungen statt. Wir radeln gemütlich entlang den Absperrungen und geniessen die Ruhe (jedenfalls gibt es keinen Autolärm).


Nachdem wir die Fahrräder wieder abgegeben haben, machen wir uns auf den Weg zum Colosseum. Dort haben wir uns mit unserem netten Reiseführer verabredet. Wir treffen ihn am Arco di Constantino, einem gut erhaltenen und restaurierten Triumpfbogen; dort wo früher die Via Sacra begann. Von hier hat man auch einen schönen Blick auf den Tempel der Venus und Roma.

Trotz langer Menschenschlangen an den Kassen des Colosseums gelingt es uns, mit Hilfe von RomaCulta, in kurzer Zeit an Eintrittskarten zu kommen. (Tipp: Am Eingang des Palatins geht es viel schneller !).

Also hinein in Roms bekanntestes Monument, dessen Errichtung Kaiser Vespasian im Jahre 72 n.Chr. in Auftrag gegeben hatte. Gebaut wurde auf dem sumpfigen Gelände des Sees, der zu Neros Residenz Domus Aurea gehörte. In nur 12 Jahren war das Amphitheater fertiggestellt.Wir wissen jetzt auch, woher der Ausspruch "Geld stinkt nicht " kommt. Um dieses gewaltige Vorhaben finanzieren zu können, wurde der Inhalt der Latrinen an Stofffärbereien verkauft! Kolosseum
Cäsar

Übrigens haben die Macher von Asterix und Obelix nicht gut recherchiert. Zur Zeit von Julius Cäsar gab es das Colosseum noch gar nicht, denn der berühmte Feldherr lebte bereits 100-44 v. Chr.

Besonders interessant ist auch die Bauweise des riessigen Amphitheaters. Die dicken Mauern bestehen im Inneren aus Beton und nur aussen aus Ziegelsteinen. Hier kämpften zur Belustigung des Volkes wilde Tiere und Gladiatoren auf Leben und Tod. Die meisten Römer waren verrückt nach den Gladiatorenkämpfen. Die Gladiatoren, häufig Sklaven, wurden in speziellen Arenen für die Kämpfe ausgebildet. Sie demostrierten dort ihre Kraft, Männlichkeit und Unerschrockenheit. Es gab im Colosseum fünf Ränge und ein Segeltuch schützte die bis zu 55 000 Zuschauer vor der Sonne. Der Name des Theaters ist abgeleitet von einem kolosalen, vergoldeten Standbild Kaiser Neros, das in unmittelbarer Nähe des Amphitheaters stand. Kolosseum (Rekostruktion)
Rek Kolosseum

Leider ist der grösste Teil des Theaters zerstört - durch Erdbeben und Plünder- ungen. Die Innengänge waren so angelegt, dass die enorme Zuschauermenge innerhalb weniger Minuten ihre Plätze erreichen konnten.Die Sitzplätze lagen stufenweise übereinander und die Sitzordnung war nach sozialen Klassen getrennt. In den höheren Rängen standen die Sklaven und Frauen und der unterste Rang war reserviert für die Senatoren. Diese erschienen in weissen Togas um so ihren previligierten Stand zu repräsentieren. Die Shows liefen nach genau festgelegten Programm ab. Das blutige Schauspiel gegann mit den Jagdveranstaltungen. Elefanten, Wildschweine, Bären, Giraffen, Löwen,... wurden für dieses Spektakel geopfert. Man konnte nicht schnell genug die wilden Tiere aus allen Teilen der Erde herbeischaffen.


Unser Spaziergang durch die Antike verläuft weiter Richtung Foro Romanum. Noch heute lassen die Ruinen deutlich erkennen, was sich hier alles abgespielt hat. Das Forum war Mittelpunkt des politischen, kommerziellen und gerichtlichen Lebens.

Der Tempel der Vesta ist der eleganteste im Forum. Das runde Gebäude war ursprünglich von 20 Säulen umgeben und Vesta, der Göttin des Herdes gewidmet.

Lebende Statuen im Forum!!!

Spetimius Severus und Clematis

Der Triumpfbogen Septimius-Serus, ist eines der schönsten und besterhaltenen Bauwerken des gesamten Forums. Wir haben die Ruinen des Forums verlassen und ziehen weiter Richtung Vittorio Emanuele. Schon von weitem ist das Monument mit seiner blendend weissen Marmorfassade zuerkennen. Bevor wir die Piazza Venezia erreichen, kommen wir noch an der Piazza del Campidoglio vorbei; ein Entwurf von Michelangelo. Von der Piazza Venezia führt eine Treppe, die Cordonata, hinauf zur Piazza.. Am Ende des Aufgangs wachen die Statuen der mythologischen Zwillinge Castor und Pollux.Campidoglio oder Capitool, ist der kleinste, aber berühmteste Hügel Roms. Hier regierte Jahrhunderte lang die Macht und die Religion.


Wir sind ziemlich erschöpft, als wir die Piazza Navona erreichen. Erst mal ein gelato al fico e limone. Oder doch lieber frutti di bosco? Die Entscheidung ist gefallen und ich fühle mich erfrischt. Die Nächte sind lang auf der Piazza Navona.
Die drei Brunnen auf dem Platz gefallen mir immer wieder. Der Grösste in der Mitte des Platzes - Fontana dei Quattro Fiumi - besonders. Er wurde von Bernini für Papst Innozenz X. Pamphili 1651 erbaut. In der Mitte des Brunnens befinden sich die Allegorien der vier Weltflüsse Nil, Ganges, Donau und Rio de la Plata, Symbole der Kontinente. Rauschend herabfallendes Wasser verleiht dem Kunstwerk Leben. An der Südseite der Piazza sieht man Bernini's Spätwerk Fontana del Moro. In der Mitte des Brunnens ist der Kampf mit einem Delphin dargestellt.
Piazza Navona

 


Autor: Ulrike Lugert (Lisse - NL)  - hosted by RomaCulta, ars visitandi
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