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Kultur    römische Impressionen    Das Deckenfresko in Sant'Ignazio in Rom

Die illusionistische Deckenmalerei von Sant'Ignazio von Andrea Pozzo um 1690-94
Die atemberaubende Deckenmalerei befindet sich in der Kirche Sant'Ignazio di Loyola in Rom und wurde um 1690 vom jesuitischen Maler und Andrea Pozzo (1642-1709) konzipiert und gemalt.
Seit 300 Jahren verblüfft Pozzos Perspektivkunst an der Langhausdecke, in der Vierung und in der Apsiskalotte.

 
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Das Langhaus der Kirche wird durch die illusionistische Perspektivenmalerei fiktiv nach oben hin fortgeführt bzw. durchbrochen: der Maler setzt auf der realen Simshöhe ein zweites Stockwerk dazu. Die Pilaster werden malerisch in die Decke übertragen und stützen das imaginäre Zweitgeschoss. Die gemalte Archietktur ist nach oben hin offen und gibt den Blick in den Himmel frei, in dem die Trinität, der Hl.Ignatius und eine Vielzahl an Engeln und Heiligen schweben.
Der Künstler selbst empfielht dem Betrachter den idealen Standpunkt, um die Deckenmalerei in ihrer Ganzheit "richtig" zu genießen: in der Mitte des Kirchenfußbodens befindet sich eine runde Marmorplatte. A.Pozzo: Konstruktionsgitter
Bruder Andrea Pozzo (1642-1709)
Andrea Pozzo - Selbtportrait
Musiktipp: Antonio Vivaldis "Gloria in D maj" (Simon Preston - Academy of Ancient Music Oxford) 
hier  im .mp3-Format downloaden (ca.6MB)

Das ikonographische Bildprogramm der Decke hat Pozzo in einem Brief an den Fürsten Anton Florian von Lichtenstein selbst erläutert: Der Schlüssel liegt demnach in dem Satz "Ignem veni mittere in terram, et quid volo nisi ut accendatur" (Lk 12, 49: "Ich bin gekommen, Feuer auf die Erde zu werfen, und wie wünschte ich, dass es schon entfacht wäre").

Im Einzelnen beschreibt Pozzo den Inhalt des Freskos folgendermaßen: Seinen Ursprung hat alles himmlische Licht und Feuer in Gott; daher geht das Licht in einem Strahl von der zentralen Christusfigur aus. Der Betrachter steht auf der in Kirchenboden eingelassenen Marmorplatte exakt über die Christusbestalt - es entsteht so mit dem Erlöser eine direkte Beziehung. Der Strahl Christi trifft Ignatius genau im Herzen (das Zeichen der Jesuiten). Dort wird der göttliche Lichtstrahl fünffach gespaltet.

Agiozentrische Deutung
Vier Strahlen verlaufen vom Herzen des Ignatius zu den allegorischen Frauengestalten, welche die vier Erdteile darstellen. Diese vier Erdteile haben sich dank des göttlichen Lichtes von den Lastern der Häresie befreit und diese besiegt. Von den vier Kontinenten erheben sich Gruppen von Heiligen, die von Engeln geleitet werden und die Ignatius und die Trinität in der Mitte lobpreisen. In jedem Erdteil wird die Gruppe angeführt vom jeweiligen Jesuiten-Heiligen, der dort den Glauben verbreitet hat. Der fünfte vom Herzen des Ignatius ausgehende Strahl trifft einen von einem Engel gehaltenen Spiegel mit dem Monogramm IHS.
Europa Amerika Afrika Asien
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hl.Ignatius    "...ma perchè ogni fuoco ed ogni lume celeste convien che provenga dal Padre de' lumi, perciò nel mezzo della Volta dipinsi un'imagine di Giesù, il qual communica un raggio di luce al cuor di S. Ignazio, che poi vien da esso trasmesso ai seni più riposti delle quattro Parti del Mondo da me figurate coi suoi geroglifici nelle quattro imposte della Volta. Queste investite di un tanto lume stanno in atto di rigettar da se i deformissimi Mostri o d'idolatria, o di eresia, o di oltri vizij che prima le dominavano, godendo di que' ceppi e di quelle catene, di cui li mirano avvinti. (...) Qual poi fosse il fine del'Altissimo in partecipare ad Ignazio luce sì copiosa, ben si vedrà espresso da chiunque rifletterà, che dall'istesso seno del Redentore si spicca un altro raggio, che portandosi ad uno scudo, in cui mirasi impresso il nome di Gesù, la corona di luce, significandosi con ciò, che avendo il Redentore per mira la gloria del suo nome, volle ornare Ignazio; mentre ogni pensiero, ogni effetto, ed ogni opera d'Ignazio ad altro non tendevano, che "ad majorem Dei gloriam."
Die "Schein-Kuppel" in der "Schein-Vierung"
Scheinkuppel Sant'Ignazio Rom von Andrea Pozzo
Ursprünglich war über der Vierung ein Kuppelbau vorgesehen, er hätte durch die Größe aber zu stark mit jenem der Peterskirche konkurriert. Die vorläufige Lösung - nämlich eine riesige bemalte Leinwand - blieb als Endlösung bis heute.
Die Scheinkuppel gliedert sich in ein Tambourgeschoss mit Säulenordnung und Fenstern, auf welchem die kassetierte Halbkugel mit durchfensterter Laterne aufsitzt.
Scheinkuppel von Sant'Ignazio, Zg. von A.Pozzo erhaltenes Holzmodell der Kuppel Detail der Scheinkuppel
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Betritt der Betrachter die Marmorplatte im Fußboden der Kirchen, die den idealen Blickwinkel, den Augpunkt, markieren, dann konstruiert sich vor seinen Augen die Illusion. Die Bekonstruktion erfolgt, sobald der Betrachter seinen Standpunkt verändert.
Sobald der Betrachter auf den idealen Standpunkt steht, kann er sich der Illusion vollkommen hingeben, als wohne er dem transzendentalen Ereignis der mystischen Aussendung des Lichtes tatsächlich in eben diesem Moment bei.

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